Apple TV 4

Die Zukunft des Fernsehens,…

… sind Apps. Das zumindest behauptete Apple bei der Vorstellung des neuesten Apple TV am 09. September 2015 im Rahmen einer großen Keynote. Bereits vor der Veröffentlichung gab es einige Gerüchte rund um ein stark aufgebohrtes Apple TV und ein neues «altes» Betriebssytem. Ob das AppleTV mit iOS nun wirklich den Status des Nebenprojekts verlassen kann, erfahrt ihr in unserem Test.

Hardware

Es war höchste Zeit für eine Aktualisierung der Apple TV Box. Drei Jahre sind seit der letzten Generation vergangen, in dieser Zeit hat sich sowohl auf dem Markt der Serviceanbieter als auch bei den Hardwareherstellern viel getan. Wir sehen drei Jahre zurück – Videostreaming gab es in Europa eigentlich noch nicht. Netflix startete erst im Herbst 2014 offiziell in Deutschland, Amazon mit Prime Instant Video nur wenig früher. Im selben Jahr erschien der beliebte FireTV und sein kleiner, sehr preiswerter Bruder der FireTV Stick. Veränderungen, denen Apple nur durch die Implementierung mancher Streaminganbieter Folge trug, nicht jedoch mit neuer Hardware oder erweiterten Funktionen. Apps, Spiele, 4k oder Sprachsuche? Fehlanzeige – und das gerade von dem Entwickler, der mit Siri Sprachassistenten salonfähig machte.

All das ändert sich mit Generation 4. Mit der Implementierung von iOS, auf der neuen Box nun TVOS genannt, erhalten Entwickler neue Möglichkeiten, ihre Inhalte auf noch größeren Bildschirmen zu präsentieren. Die Hardware ist durchaus leistungsfähig. Im Inneren des neuen AppleTV verrichtet ein A8 – diesen Chip kennen wir aus dem iPhone 6 – mit 2GB RAM seinen Dienst. Das reicht für mehr als nur simple Apps – damit sind nun auch Spiele möglich. Diese lassen sich vor allem mit der neuen Apple Remote steuern. Einerseits über das neue Touchpad, andererseits über den verbauten Bewegungssensor – ähnlich wie mit einem Wii Controller. Außerdem findet sich in der Fernbedienung ein Mikrofon, dieses ermöglicht die Interaktion mit Siri – zumindest in ein paar wenigen, glücklichen Ländern. Mehr dazu später ,…

Software

Mit iOS erhält der AppleTV Zugang zu einem sehr beliebten und potenten Betriebssystem, das vor allem bei Entwicklern – aufgrund der mannigfaltigen Developmentkits – sehr beliebt ist. Daraus resultiert das breiteste App Angebot von mobilen Plattformen. TVOS sieht auf dem Apple TV tatsächlich gut aus und lässt sich leicht und schnell bedienen – im Bauen von UI’s war Apple eben immer schon gut.

In Sachen Inhalten können wir neben den üblichen Streaminganbietern auf die Inhalte des iTunes Stores zugreifen – und auf Apple Music. Hier ist die Auswahl sehr groß, eigenen Content (wie Netflix oder Amazon) gibt es bei Apple aber keinen.

Vorteile

  • Gute Performance
  • Erste Ansätze übergreifender Suche
  • Fernbedienung mit Touch Eingabe und Siri (in unterstützten Ländern)
  • Verarbeitung

Nachteile

  • Eingabe von Texten / Passwörtern
  • Sprachsuche noch nicht für alle Dienste / Länder
  • Keine Unterstützung für RemoteApp / Remote via Apple Watch
  • Unsortiertes, unübersichtliches AppStore

Testbericht

Einrichtung

Hier hat sich Apple einen kleinen Leckerbissen einfallen lassen: Sofern man Besitzer eines anderen iOS Geräts ist, kann man dieses einfach am AppleTV anhalten und alle wichtigen Daten werden direkt übernommen. Noch einfacher geht es nicht. Nach dem Download der einen oder anderen App kann es direkt los gehen.

Praktische Features

Positiv fällt die Integration von Bluetooth auf. Einerseits lassen sich Bluetooth Kopfhörer direkt mit dem Gerät koppeln, andererseits wurde das Protokoll in die Fernbedienung integriert, sodass diese keinen Sichtkontakt zum Apple TV benötigt. So kann das Gerät auch einfach hinter dem TV versteckt werden und lässt sich dennoch bedienen. Stichwort Fernbedienung: Mittels HDMI CEC lassen sich auch andere Geräte, wie der Fernseher oder der Soundreceiver, im Heim-Kino-Setup steuern. In Realität hat dies leider einige Hindernisse, nicht alle Geräte werden wirklich problemfrei unterstützt. Ein Problem, das allerdings eher an HDMI CEC als an Apple liegt. Für ältere Geräte wurde auch Infrarot in die Fernbedienung integriert – damit lassen sich andere Geräte ebenfalls direkt steuern.

Kritikpunkte

Leider gibt es beim neuen AppleTV auch einige störende Aspekte und Probleme. Einige davon werden sich in den nächsten Tagen und Wochen durch Updates beheben lassen, andere stellen allerdings wirkliche Restriktionen dar.

Siri

Ist zum Start des AppleTV nur in wenigen Ländern verfügbar. Deutschland darf sich freuen – die Schweiz und Österreich jedoch nicht. Mit einem kleinen Trick lässt sich Siri zwar auch hier aktivieren (Region des Store Accounts auf Deutschland ändern), damit sind allerdings weitere Einschränkungen verbunden.

Die große, allumfassende Suche, die Apple im Rahmen der Keynote versprach, hat ihren Weg leider auch noch nicht ins AppleTV geschafft. Siri durchsucht lediglich den iTunes Store und Mediatheken von Streaminganbietern. Ein guter Schritt, die Integration von «hauseigenen» Diensten wie Apple Music oder dem AppStore wäre allerdings wünschenswert.

AppStore

Apropos AppStore – gerade in der ersten Woche war der Store schlichtweg nicht zu nutzen. Es fehlte die Integration von Kategorien oder Toplisten – Features, die Apple auf dem iPhone seit dem ersten Tag mit deutlich weniger Apps im Start-Lineup unterstütze. Hier wird aktuell deutlich nachgebessert, dennoch eine Startschwierigkeit, die nicht notwendig gewesen wäre.

Funktionsumfang und Restriktionen

Apple verzichtet im neuen AppleTV leider auf den optischen Audioausgang. Ein Manko, das viele Nutzer nur ungern hinnehmen werden. Der Anschluss an eigene Audiohardware wird somit deutlich schwieriger und ist nur möglich, wenn der Receiver auch entsprechende HDMI Eingänge hat. Sonst bleibt nur der Umweg über den Fernseher – der dementsprechend auch bei der Wiedergabe von reinen Audioinhalten eingeschaltet sein muss.

Auch 4K Unterstützung werdet ihr vergebens suchen. Ein sehr kontroverses Thema. Oft berichten Branchenkollegen, dass es weder Inhalte in dieser Auflösung gäbe, noch die entsprechenden TV Geräte weit verbreitet wären. Das mag momentan stimmen – wird sich aber rasant ändern. Amazon und Netflix bieten bereits Eigenproduktionen in 4k zum Streamen an. 4K TV Geräte gibt es aktuell schon um 400 Euro – beides wird zur rasanten Verbreitung dieses Features beitragen.

Stichwort Amazon – Amazon Prime Instant Video steht auf dem AppleTV momentan nicht zur Verfügung. Dies liegt vielmehr an Amazon als an Apple, da keine entsprechende App angeboten wird, dennoch eine erwähnenswerte Einschränkung.

Eingabekonzepte

So angenehm die Integration von Siri und das Touchpad auch sein mögen – beide Bedienkonzepte leiden unter einigen Kinderkrankheiten. Siri kann nur in der Suche genutzt werden, das Touchpad scheitert an der üblen UI in diesem Bereich. So wird die Bildschirmtastatur in einer langen Zeile dargestellt – das Eingeben von Texten ist damit äußerst anstrengend und aufwendig.

Eigentlich gäbe es ja auch die Remote App auf anderen iOS Geräten. Diese unterstützt das neue AppleTV aber (immer noch) nicht. Damit fällt auch die Bedienung durch die Apple Watch weg. Ein klarer Rückschritt. Selbst das AppleTV 2 lässt sich mit der AppleWatch (oder Remote App) bedienen, die neue Hardware jedoch nicht. Zum Vergleich: Amazon bot ab dem ersten Tag eine entsprechende App für das iPhone an (und hier handelt es sich nicht um den Soft- und Hardwarehersteller in Personalunion), die selbst die Eingabe von Texten remote mit Bildschirmtastatur ermöglichte. Ein Feature, das Apple unbedingt nachrüsten muss.

In Sachen Spielen ist die verpflichtende Steuerung via Fernbedienung ebenfalls ein grober Nachteil. Dadurch werden komplexere Spiele defakto vom AppleTV ausgeschlossen. MFI Controller werden zwar prinzipiell unterstützt, dürfen aber nicht verpflichtend von Anwendungen vorausgesetzt werden.

Speicher

Es gibt zwei verschiedene Speichergrößen – 32 und 64GB. Selten gab es vor der Veröffentlichung eines Apple Geräts derartige Unklarheiten, was die Wahl der Speichergröße betrifft. Auch nachdem das Apple TV zum Verkauf bereit steht, hat sich diese Frage noch nicht wirklich geklärt. Grundsätzlich dürfen Apps maximal 200 MB groß sein – beim ersten Download aus dem Store. Alle anderen Bestandteile werden erst später, bei Bedarf, nachgeladen. Wie groß Apps / Spiele anschließend sind, erfährt der User allerdings nie. Es werden letztlich immer nur 200 MB Speicherverbrauch angezeigt – wieviel nachgeladen wurde, erfährt man nicht. Letztlich hat der Nutzer keine Chance seinen Speicher effektiv zu überblicken oder managen, soll aber die Entscheidung über die Größe treffen. Hier muss der Nutzer eine Wahl, ohne jedwillige Entscheidungsgrundlage, treffen.

Fazit

Trotz der vielen genannten Kritikpunkte hat dem AppleTV die Frischzellenkur sehr gut getan. Die vorgestellten Features waren längst überfällig und erweitern sowohl den Funktionsumfang als auch das Bedienkonzept des AppleTV enorm. Dank ordentlicher Leistung, gut designten Interfaces, einem immer größer werdenden App-Angebot bekommt der User ein ordentliches Paket zu einem stolzen Preis geboten. Leider war vor allem der Start der Hardware sehr holprig – Apple bessert hier aber immer mehr nach. Zum Zeitpunkt des ersten Tests war das AppStore noch unbenutzbar, mittlerweile gibt es Toplisten und Kategorien sind auf dem Weg – um nur ein Beispiel zu nennen. TVOS 1.1 ist bereits im Test, hier werden noch einige Features nachgereicht werden – ähnlich verhält es sich mit Siri in den nicht unterstützen Ländern.

Was kommende Updatezyklen betrifft, gehe ich auch in Sachen Hardware davon aus, dass Apple hier wesentlich schneller nachlegen wird. Apps und Spiele verlangen deutlich mehr Leistung, so werden die Nutzer auch schneller dazu gezwungen werden, ihr AppleTV auszutauschen. Ähnliches sehen wir beim iPhone – nach ein paar Jahren ist die Hardware zu langsam und hält nicht mehr mit den Anforderungen von iOS und den Anwendungen mit. Ähnlich wird es auf dem AppleTV sein. Der Chip stammt wie dargestellt aus dem iPhone 6 – momentan mehr als genug Leistung, doch wie sieht dies in zwei Jahren aus?

Wer bereits eine Streamingbox besitzt, mit der er zufrieden ist, muss dennoch nicht unbedingt auf das neue AppleTV umsteigen. Der Mehrwert im Vergleich zur Konkurrenz ist vergleichsweise gering. Alle anderen bekommen hier ein rundes Gerät mit großem Potential geboten.

Gadget passt zu ...

Technische Daten

  Apple TV - Generation 4
Benutzeroberfläche
Betriebssystem: TVOS 1.0
Sprachen:
Preis Schweiz: N/A
Preis Deutschland: N/A
Technologie: -
Technisches
Prozessor: Apple A8
RAM: 2 GB
Speicherplatz: 32 / 64 GB
Auflösung Signal: 1080p, 720p, 480p
Schnittstellen
Netzwerk:
  • WLAN
  • Ethernet
Audio:
Sonstige:
  • HDMI, USB-C für Wartung
Formate
Video:
  • H.264
  • MPEG-4
Foto:
  • JPEG
  • GIF
  • TIFF
Audio:
  • ACC
  • MP3 VBR
  • WAV
Dienste:
Allgemeines
Gewicht: 0,41 kg
Grösse: 98 mm (T), 98 mm (B), 33 mm (H)
Lieferumfang:
  • AppleTV
  • Fernbedienung
  • Netzteilkabel
  • Lightning Kabel

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