iPad Pro

Supersize Me!

Die Gerüchte hatten es bereits lange vorausgesagt – am 09.09.2015 stellte Apple die dritte Grössenklasse des iPad vor. Neben 7,9 und 9,7 Zoll gibt es nun auch ein Tablet mit 12,9 Zoll. Als Namenszusatz wurde «Pro» gewählt. Abgesehen von der neuen Diagonale möchte Apple die Nutzer auch mit neuem Zubehör – einer Tastatur und einem Stift – zum Kauf bewegen. Wie «Pro» das iPad wirklich ist und ob das Zubehör begeistern konnte, erfahrt ihr hier im Test.

Hardware

Natürlich – das neue Tablet von Apple ist gross, deutlich grösser als seine kleinen Brüder. Es misst 30,5 cm in der Höhe und 22 cm in der Breite bei nur 6,9 mm Dicke und einem Gewicht von 713 g (Wi-Fi Modell). Damit ist es etwas dicker als das aktuelle iPad Air 2 und  276 g schwerer.
Zum Vergleich: Das Gewicht entspricht ungefähr dem des ersten iPad aus dem Jahr 2010 (730g). Beim Prozessor kommt Apples neuester Mobilprozessor zum Einsatz. Das große 12,9 Zoll (fast 33cm Diagonale) Multitouch-Display besitzt eine Auflösung von 2732 x 2048 Pixeln bei 264 ppi. Ein weiterer, interessanter, Vergleich: Der Abstand zwischen zwei Icons auf dem Homescreen des neuen iPad beträgt 324 Pixel – das iPhone 3GS besass in der Breite eine Auflösung von 320 Pixel.

Das iPad Pro wird in drei verschiedenen Modellen angeboten. Ohne Mobilfunk gibt es eine Version mit 32 GB und eine Version mit 128 GB Speicher. Die Version mit Mobilfunk gibt es leider nur mit 128 GB, ein herber Kritikpunkt aus meiner Sicht. Viele Nutzer, so auch ich, finden mit 32 GB Speicher sicher ihr auskommen – möchten aber nicht auf eine mobile Internetverbindung verzichten. Bleibt nur Tethering, ein mobiles Modem oder aber der Zwang zum grossen und deutlich teureren Modell.

In Sachen Farben werden die aktuell klassischen Apple Farben – Space Grau, Silber und Gold – angeboten.

Apple iPad Pro Apple iPad Pro Apple iPad Pro Apple iPad Pro

Software

In punkto Software setzt Apple klar auf das mobile Betriebssystem iOS: Hier gibt es die grösste Abgrenzung zum Mitbewerber – Microsoft setzt beim Surface schliesslich auf das aktuelle Windows 10 und damit ein Desktop-Betriebssystem. Die Frage, welcher Weg der richtige ist, führt zu grossen Kontroversen.

Meiner Meinung nach ist iOS einerseits eine richtige Wahl, andererseits aber auch die falsche. Aus jetziger Sicht hatte Apple keine andere Wahl, als auf iOS zu setzen. Microsoft nahm sich über viele Jahre Zeit um Windows entsprechend auf eine duale Nutzung umzubauen – und musste hier auch viele Rückschläge einstecken. Apple entschied sich offensichtlich gegen diesen Schritt, dementsprechend würde OSX in seinem jetzigen Zustand auf einem Tablet auch nicht annähernd so funktionieren wie Windows 10 dies tut.

Auf der anderen Seite fehlt in iOS leider der «Pro»-Aspekt. Es gibt keine exklusiven Features die nur dem grössten iPad vorbehalten sind. Die praktische Split Screen Ansicht gibt es auch auf dem iPad Air, sonst gibt es keine Funktionen, die sich von den anderen iPads oder gar iPhones absetzen. Das grössere Display hätte viel Potential für neue Features – ein Potential, das hier aber (noch) nicht ausgenutzt wird.

Ähnlich verhält es sich mit Apps von Drittanbietern. Zeichenprogramme unterstützen zwar in den meisten Fällen bereits den Apple Pencil, dennoch ist die Umsetzung hier oft noch nicht ideal. Die niedrige Latenz des Stifts kommt nur in der Standard Notizen App wirklich zum Tragen. Schlimmer ist es, was andere Apps betrifft – der grössere Bildschirm wird selten voll ausgenutzt, neue Ansichten fehlen und wirkliche Pro Apps, die das Gerät in Sachen Leistung durchaus vertragen könnte, gibt es ebenso wenig. Hier wird sich zeigen müssen, wie Apple und andere Anbieter Ideen und Konzepte in Zukunft umsetzen.

Vorteile

  • Starker Prozessor
  • Guter Bildschirm
  • Der beste digitale Stift unter Tablets / Convertibles

Nachteile

  • Keine Zusatzfeatures in iOS 9
  • Fehlende Pro–Software
  • Hoher Anschaffungspreis
  • Teures Zubehör

Testbericht

Im Test konnte das iPad Pro in Sachen Hardware auf voller Linie überzeugen. Die Leistung ist enorm hoch und schlägt in vielen Anwendungen das ebenfalls 2015 vorgestellte MacBook. Jedoch fehlt es leider an Apps, die diese Leistung auch tatsächlich abrufen. Der Bildschirm besticht, Apple typisch möchte man sagen, durch eine tolle Auflösung und ein gutes Bild. Die Akkulaufzeit hält mit denen anderer iPads mit. In Sachen Sound kann sich das iPad Pro klar von seinen kleineren Brüdern absetzen – gleich vier Lautsprecher wurden verbaut, die für einen tollen Klang sorgen.

Das Zubehör von Apple hinterlässt ein ambivalentes Gefühl. Da wäre zum einen die Tastatur, deren grösster Nachteil leider nur in einer Fußnote auf der Homepage erwähnt wird – sie ist lediglich in englischer Lokalisierung verfügbar. Für den deutschsprachigen Markt ist die nicht ganz billige Apple Tastatur somit, meiner Meinung nach, völlig wertlos. Die Tastatur könnte zwar durch einen angenehmen Druckpunkt überzeugen, letztlich ist die mangelnde Lokalisierung für mich aber ein Todschlagargument. Solltet ihr euch dennoch nicht davon abschrecken lassen, erhaltet ihr einen praktischen Mehrwert – die Tastatur dient gleichzeitig noch als Smartcase und schützt euer iPad während dem Transport. Das Case selbst verbindet sich, anders als bei anderen bekannten Lösungen, nicht via Bluetooth mit dem iPad sondern mittels neuem Smartconnector. Das hat den Vorteil, dass die Stromversorgung direkt durch das Tablet erfolgt, zum anderen aber den Nachteil, dass beide Geräte immer eine Einheit bilden und nicht getrennt werden können.

Ein ähnliches Konzept verfolgt das Keyboardcase von Logitech – das Logitech Create Backlit Keyboard. Wie der Name schon nahelegt, verfügt diese Tastatur sogar über beleuchtete Tasten. Abgesehen davon, dass es hier auch eine deutsche Lokalisierung gibt, ist dieses Zubehör auch noch etwas günstiger als das Original von Apple.

Wirklich überraschen und überzeugen hingegen konnte mich der Apple Pencil. Ich habe bereits viele Stifte im Zusammenhang mit dem iPad getestet, doch das Zubehör von Apple schlägt sie alle um Längen. Der Pencil hat nahezu keine Latenz beim Schreiben auf dem iPad, so ist auch zeichnen ohne Probleme möglich. Wie bereits erwähnt, ist dies vor allem nur in der Notizen Anwendung gewährleistet, Drittanbieter müssen hier noch nachlegen. Geladen wird der Stift via Lightningstecker direkt am iPad. Dank einer ausgeklügelten Gewichtsverlagerung und einem intelligenten Schwerpunkt rollt der Pencil auch nicht vom Tisch – ein kleines, aber praktisches Detail am Rande.

Zudem bietet Apple einen neuen Lightning auf USB Kamera Adapter an, der in Sachen Geschwindigkeit – eine passende Gegenseite vorausgesetzt – USB 3.0 unterstützt. Eine wirklich praktische Verbesserung, vor allem für jene, die gerne grössere Mengen Fotos oder Videos auf ihr iPad übertragen. Der Adapter ist zudem mit allen anderen iOS Geräten kompatibel, hier aber nur mit der geringeren USB 2.0 Geschwindigkeit.

Sonst bietet Apple noch die typisch hochpreisigen Hüllen an. Leider fällt der Hersteller hier noch negativer auf als sonst. Zum einen gibt es das iPad Pro Silikon Case, dieses schützt jedoch nur die Rückseite des neuen Tablets. Um auch die Vorderseite zu beschützen, benötigt man noch das gewohnte Smart Cover – beides gibt es nur in den Farben schwarz und weiss. Eine Leder-Variante oder ein entsprechendes Smartcover gibt es nicht. Zusammen werden – für beide Cover – in Summe 158 € fällig.

So sehr mir das iPad Pro im Test auch gefiel – leider kann ich nicht sagen, für wen dieses neue Apple Gerät wirklich geeignet ist. Für Grafiker? Wahrscheinlich nicht für echte Profis, denn diese würden ein farb-kalibriertes Display benötigen. Auch sonst würden mir, aufgrund der mangelnden Softwareumsetzung, keine Einsatzgebiete einfallen, die ich nicht auch mit meinem iPad Air 2 erfüllen könnte. Dennoch handelt es sich um ein interessantes, technisch sauber umgesetztes Gerät. Die Situation erscheint mir ähnlich wie bei der Vorstellung des ersten iPads – damals wusste auch niemand, wofür die Nutzer ein grösseres iPhone denn brauchen könnten. Dennoch startete das iPad den Siegeszug der Tablets. Ich bin gespannt, ob es uns mit dem iPad Pro ähnlich gehen wird.

Gadget passt zu ...

Apple Smart Keyboard
Apple Pencil
Logitech CREATE Backlit Keyboard Case für iPad Pro
iPad Pro Silikon Case
iPad Pro Smart Cover

Technische Daten

  Apple iPad Pro
Benutzeroberfläche
Betriebssystem: iOS
Sprachen: -
Preis Schweiz: N/A
Preis Deutschland: N/A
Display
Grösse: 12.9"
Auflösung: 2732 x 2048 Pixeln bei 264 ppi
Technologie: Multi
Technisches
Prozessor: A9X Chip & M9 Motion Coprozessor
RAM: 4 GB
Speicherplatz: -
Akkulaufzeit: -
Schnittstellen:
  • 3.5 mm Klinkenstecker
  • Lightning Port
Sensoren:
  • A-GPS
  • GLONASS
  • WiFI a/b/g/n/ac
  • NFC
  • Fingerprint
  • accelerometer
  • gyro
  • compass
  • barometer
Multimedia
Kamera Front: 1.2 mp
Kamera Hinten: 8 mp
Audio: -
Textformate:
Videoformate:
Netzwerk
3G: Ja
WiFi: Ja
Allgemeines
Akku: 10'307 mAh
Gewicht: 713 g
Grösse: 305.7 x 220.6 x 6.9 mm
Lieferumfang:
  • iPad Pro
  • Lightning auf USB Kabel
  • USB Power Adapter

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